Nach einem ausgiebigem Frühstück und einer herzlichen Verabschiedung von unseren Gastgebern ging es um 11 Uhr pünktlich los in Richtung Rotterdam. Pünktlich um 11 kam leider auch der Regen, der unser treuer Begleiter auf dieser Reise werden könnte (zumindest sagt der Wetterbericht für unser Open-Air Konzert in Durham nichts Gutes voraus). Entsprechend groß war auch die Begeisterung nach 2-stündiger Fahrt in das regnerische Grau des als "schön" bezeichneten Rotterdams zu starten (zur linken sehen sie... grau). 15 Minuten Fußweg trennten uns von der rettenden Markthalle, die mit Essen und vor allem Trockenheit warb. Ob es die bunten Früchte und Blumen an der Decke oder die Leckereien aus aller Länder (Pastel de Nata, Kokoskekse, Fisch, Frijkadelle, Poffertjers ...) waren, welche letztendlich die Stimmung erhellten, ist nicht genau festzustellen.

Anschließend führte der Weg durch die Industrielandschaft des Rotterdamer Euroports, bis schließlich die 40m Hohe Fähre in der Frontscheibe auftauchte. Schnell waren die Kojen bezogen und erkundet (Klick, Tür auf, Ahaaa... fertig!). Währenddessen hat Oliver kunstvoll den Bus auf der Fähre eingeparkt. Zeit für den gemütlichen Teil: Die 3 Bars und zwei Restaurants an Bord erkunden und sich dort gegen die schaukelnden Bewegungen des Schiffes sowie das durch alle Wände vibrierende Brummen (vrrrrrrr) des Motors immun... machen. Mal sehen wie wir über diese Strategie am nächsten Morgen denken.

Überpünktlich rollt der Bus vor dem Probenraum in Tübingen los und die Konzertreise beginnt - auf geht's nach Finnland! Moment - Finnland? Nach kurzer Verwirrung am Busterminal am Stuttgarter Flughafen befragen wir nochmal unseren Steuermann (Oliver: "Ich habe am Telefon England angemeldet") und unsere ortskundigen Navigator (Harry D. Bath) und entscheiden uns dann doch für England. Das erste Ziel: Nettetal-Kaldenkirchen, 3km vor der holländischen Grenze. Nein, wir haben die Landkarte nicht falsch gelesen - wir wissen, das ist nicht Großbritannien. Christian Köhler, selbst Saxophonist und Freund des Ensembles, hatte uns bereits 2011 hierher eingeladen und nun, nach 8 Jahren, haben wir diese Einladung gerne angenommen. Nach flüssigen 5 Stunden Autobahn, vielen Windrädern, vorbei an Braunkohle-Tagebauten, biegen wir schließlich in das wunderbare Örtchen ein, das gefühlt zu 100 Prozent aus Klinker gebaut ist (Häuser, Wege, Straßen, Mühlen ... alles!). Nachdem das Hotel bezogen war, ging es zur alles überragenden St. Clemens Kirche, die sich imposant über dem sonst eher flachen Ort abzeichnet. Innen neoklassizistisch, außen Klinker, eine wunderbare Kirche mit noch besserer Akustik, wie sich später herausstellen sollte.

Nach dem Soundcheck füllte sich die Kirche in Rekordzeit. Unser Gastgeber hat in seiner Apotheke nicht nur medizischen Beratung gegeben, sondern auch musikalische "Empfehlungen" ausgesprochen die offensichtlich fruchtete. Ganz zu schweigen von einigen Vorankündigungen in Zeitungen. Mehr als 200 Zuhörer drängten sich in das hohe Mittelschiff der Kirche und spendeten frenetischen Applaus, ja sogar Standing Ovations. Kurzum: Ein für uns erfolgreiches Konzert mit hervorragender Organisation. Vielen Dank an dieser Stelle nochmal dem Team um Christian Köhler für den freundlichen Empfang, die tolle Organisation, die Beherbergung und vor allem das Gefühl, in Nettetal immer willkommen zu sein - auch als Süddeutscher.

Morgen geht es dann nach Rotterdamm und weiter per Fähre nach Großbritannien. Mal sehen, wie uns "Landratten" diese Überfahrt bekommt.

Das erste Mal seit Ende der Restaurationsarbeiten im Sommerrefektorium spielte das Tübinger Saxophon-Ensemble wieder im traditionellen Sommerkonzert im Kloster Bebenhausen. Bei strahlendem englischen Wetter, das heißt bewölkt mit leichtem Nieselregen, formulierten die Musiker dabei auch ihren Abschied vom heimischen Tübingen, zumindest für die nächsten Tage. Diese Nachricht machte anscheinend die in den Bögen des Kreuzgangs nistenden Spatzen ebenfalls sehr traurig, denn auch sie verabschiedeten sich lautstark. Eventuell wurden Sie jedoch auch von den intensiven Wagner-Klängen wiederholt  und etwas unsanft geweckt.

Wir hätten uns keinen schöneren Abschied vorstellen können. Zahlreiche Zuhörer, großer Applaus und viele nette Worte sowie persönliche und sehr geduldige Nachhilfe bei der Aussprache des Wortes "Worcester" (mehr dazu später) werden sicher stellen, dass wir gerne wieder in unsere Heimat zurückkehren.

Am Dienstag fahren wir jedoch zuerst in die sagenumwobene Heimat unsere Dirigenten Harry D. Bath. Unter dem Motto "Stay Connected" wollen wir den kulturellen Austausch fördern, Kontakte ausbauen und gemeinsam Musik machen. Ab Dienstag halten wir Sie hier täglich auf dem neusten Stand.