Wir sind uns noch immer nicht sicher ob die Karten, welche uns freundlich darauf hinwiesen, dass die Hotelzimmer in der "British Summertime" warm werden könnten dieser berühmte britische Humor oder tatsächlich ernst gemeint waren. Fakt ist: Wir haben auf unserem Tagestrip durch das Moor im Norden Yorkshires nichts von diesem sagenumwobenen Sommer gemerkt. Aber Eins nach dem Anderen. Mit einem kleineren Bus (gute Entscheidung bei bis zu 25% Steigung und gefühlten 1.5m Fahrbahnbreite) ging es bis an die Küste der relativ genau auf halber Höhe England liegenden Grafschaft.

Auf der Fahrt verwandelt sich die Landschaft um einen herum beinahe zauberhaft. Man verlässt die Stadt und landet sofort in einem fruchtbaren Flachland. Vorbei an Ruinen, herrschaftlichen Häusern, riesigen Zuckerrüben Feldern und mittelalterlich anmutenden Städten geht es schließlich den Berg hoch und wie von Geisterhand betritt man ein unfruchtbares Hochmoor, das jedoch durch frei laufende Schafe deutlich freundlicher wirkt (Määäh). Frei laufend heißt hier tatsächlich frei: Auf den Straßen, in den Dörfern, auf den Bänken... überall! Noch einige Kilometer bergauf und bergab tauchte schließlich das Meer in der Ferne auf und unser erstes großes Ziel war erreicht: Whitby. Die Hafenstadt hat nicht nur hervorragende Fish and Chips zu bieten (Harry endlich zu Hause!) sondern die Ruine auf dem Berg diente auch als Inspiration für Dracula. Den ganz eigenen Charakter hat die Stadt tatsächlich bis heute nicht verloren - beim Aufstieg der 199 Stufen zur Kirchenruine wurde es dem ein oder anderen etwas mulmig. Zugegeben lag das vor allem am starken Wind, der einen fast wieder hinunter fegte und der Kälte die von der Nordsee gebracht wurde. Und vielleicht auch an dem frittiertem Mittagessen, das etwas schwer im Magen lag.

Es folgte dann ein Programmpunkt der Klein und Groß glücklich machte: Zug fahren. Nicht irgendein Zug, sondern die North Yorshire Moor Bahn. Bei Dampfzügen wird einfach jeder schwach und wieder zum erfreuten Kind. Einige Köpfe, die aus dem Fenster gestreckt wurden, haben dabei ein gratis Ruspartikel-Peeling erhalten ("Bäääh in den Mund!"), andere erfreuten sich an der Verbindung zu Harry Potter. Rundum ein Spaß der nach den vielen akustischen Umstellungen der letzten Tage eher keine Intonation erforderte (Choo Choo Chooooooooo).

Mittlerweile hat sich der Sommer tatsächlich kurz gemeldet und schenkte uns ganze 60 Sonnenminuten. Kaum waren wir jedoch wieder im Bus gab es "flüssigen Sonnenschein" wie es unser Guide euphemistisch beschrieb. Am Abend gab es dann für manche nochmal echtes "englisches Essen". Also das gute, gesunde englische Essen... das aus der Kolonie eben und (endlich) einmal nicht fritiertes Allerlei.

Morgen geht es dann nach einer Erkundung der Stadt York auch musikalisch weiter. Wir freuen uns auf ein Konzert mit den Sax Maniacs!