Unser Tag in Malvern startete bereits mitten in der Nacht, denn unser Tenorsaxophonist Ingo wurde heute 28 Jahre jung - natürlich auch für uns ein Grund zu feiern. Den Kuchen musste er sich allerdings verdienen, indem er den ganzen Tag einen blauen, auffälligen Anstecker mit der Aufschrift "Birthday Boy" zu tragen hat (und ja, auch beim Konzert!).

Nach einer dadurch leicht verkürzten Nacht und einem stärkenden englischen Frühstück (zumindest für jene mit starkem Magen) war bereits um 9.30 Uhr eine Probe in der Malvern Priory Church angesetzt. Zum Glück war unser Hotel früher das Kloster zu eben jener Kirche, so dass die 50m Fußweg nicht als Morgensport bezeichnet werden konnten. Die Kirche selbst wurde im 11. Jahrhundert erbaut, hat die ältesten Glasfenster in ganz GB und ist auch ohne Probe für sich einen Besuch wert. Typisch englische Bauweise, eine vertäfelte Holzdecke, schlicht und einfach überwältigend. Anschließend war tatsächlich der Morgensport angesagt: Der Eselsaufstieg zum Brunnen auf dem Malvener Hausberg (bis zum St. Ann's Well) musste ganz ohne tierische Hilfestellung bewältigt werden. Zum Glück entlohnte oben nicht nur ein gigantischer Ausblick auf das Städtchen und die Kirche, sondern auch ein kaltes Getränk in der wunderbaren Terassenlandschaft in bester englischer Gartenumgebung.

Nach einer gemeinsamen Probe mit dem Worcestershire Saxophon Ensemble (man spricht es aber "Wur..., Wörch..., Wor..., Wuhsesterscha... ach egal"), unseren Gastgebern, verbrachten die meisten ihre Zeit auf dem kleinen, aber feinen Markt mit leckerem Gebäck, mexikanischer Küche und sogar lokaler Braukunst... sehr wichtig! Der obligatorische Regen bedarf keiner weiteren Erwähnung...

Um 15 Uhr war schließlich das Konzert angesetzt. Die 7 Saxophonisten des WSE nahmen uns dabei mit auf eine Erkundungstour des historischen Saxophons mit dem ersten Stück für Saxophon Ensemble (Sextuor von Kastner), dem ersten Quartett für Saxophone (Premier Quartuor von Singelee) und auch moderner Literatur. Auch wir konnten die Zuschauer und unsere Gastgeber mit unserem Klang verzaubern. Im Anschluss ans Konzert hatten dann auch die Zuhörer uns deutschen Gästen einiges zu erzählen: von Bildnissen Wilhelms I. in den Kirchenfenstern, über die Geburtsorte von Elgar und Holst in der Umgebung (hier scheint musikalisches Genie in der Luft zu liegen) bis hin zu Unverständnis über die politische Lage ("people didn't think!"). Auch der Sonne schien die Musik zu gefallen, denn als wir die Kirche verließen (Oli musste den Bus durch enge englische Sträßchen und falsch parkende Autos manövrieren) schien die Sonne. So richtig! Und jetzt sogar immer noch! (Stand 21 Uhr).

Mal sehen, ob das morgen beim Besuch von Elgars Geburtshaus und der Fahrt nach York anhält.