Morgens 5.45 Uhr in einem Hotel in Wien: Während 3 Schlagzeuger sich aus dem Bett quälen, um den Bus rechtzeitig um 6.15 Uhr zu beladen, begleiten die Jugendlichen aus dem Esslinger Barockorchester ("Telemänner") im Nachbarzimmer bereits die Morgensymphonie auf Violine und Cello. Das gleiche Ziel haben beide Ensembles (auch wenn wir zu jener Zeit die allgemeine Nachtruhe einhalten...): Beim Wettbewerb der "Summa Cum Laude" Musikfestivals gut, am Besten als Bester abzuschneiden.

Für alle Nichtschlagzeuger begann der Tag mit einer Taxifahrt zu einem der Highlights unserer Reise: dem Wettbewerb im Wiener Musikverein. Aus eigener Erfahrung können wir nun berichten wie unbeeindruckend die Umkleideräume sich geben. Praktisch, trocken und direkt unterhalb der Bühne. Langsam steigt die Anspannung, als die 13 Saxophonisten zum Einspielraum begleitet werden. Der kleine Bruder des großen Saals ("Brahms Saal") gibt sich mindestens genauso beeindruckend: Hohe Decken, Büsten berühmter Komponisten im Raum mit Gold und Stuck kunstvoll umrahmt. Noch beeindruckender war der erste Eindruck nach dem Umzug in den "Großen Saal": ein Saal, der optisch und klanglich seines Gleichens sucht und bereits die Größen der klassischen Musikgeschichte in seinem Inneren empfangen durfte. Die Schlagzeuger waren zu der Zeit bereits irgendwo im Backstagebereich zwischen ettlichen Schlag-Instrumenten, Harfen, Chembalo,... mit Aufbauen beschäftigt. Mit geplanten 5 Minuten für den Bühnenumbau musste alles schnell gehen, so dass die Anspannung erst sank, alsder erste Akkord von Bachs "Toccata und Fuge" erklang und wir voll in die Akustik des Saals eintauchten. Leider war dabei jedoch die Photopraphie strengstens verboten (zum Glück nicht durch das Guckloch!).

Später am Tag erfuhren wir, dass nicht nur wir, sondern auch der Jury unsere Darbietung viel Spaß bereitet hat. Mit dem Prädikat "exzellent" schlossen wir zwar nur als Zweiter unserer Kategorie ab, dafür aber umso zufriedener mit unserer Leistung (zumal nur wenige Laiengruppen beim Mittagessen diskutieren können ob nun die Carnegie-Hall doch den Besseren Klang bietet... von den Umkleiden im Sydney Opera House ganz zu schweigen).

Was die Platzierung betrifft müssen wir die Bewertung wohl der Jury überlassen, nützliche Ratschläge für uns können nehmen wir hier auf jeden Fall gerne mit. Den ersten Platz haben übrigens die Italiener eingenommen: 60 Personen Saxophon-Orchester (zumindest ein Finale, dass die Italiener für sich entschieden haben).

Um sich von dem doch recht aufregenden Vormittag wieder etwas zu erholen konnten wir einige Stunden in der Wiener Innenstadt entspannen (Kaffee trinken, Opernführung, im Park liegen, Sightseeing zu Fuß...). Am Nachmittag folgten Workshops zusammen mit dem italienischen Saxophon-Ensemble. Bei diesem Zusammenprall aus Saxophonisten unterschiedlicher Musikphilosophie zeigte sich wieder einmal wie wandlungsfähig "unser" Instrument ist.

Am morgigen Tag werden wir dann entspannt die große SCL-Abschlussgala mit anschließendem Empfang im Rathaus von den Publikumsrängen erleben dürfen.

Was für ein Tag! Gerade noch alles hingerichtet für den Wettbewerb im großen Saal des Wiener Musikvereins, eine Mitfahrgelegenheit organisiert und festgestellt, dass die Perkussionisten bereits um 06.15 den Bus beladen müssen.

Und das nach 3 Stunden Power-Sightseeing mit Besuch im Schloss Schönbrunn und einem Konzert mit einem beeindruckendem Streichensemble aus Thailand im schönen Bad Schönau - mehr dazu schreiben wir besser morgen, wenn der Kopf wieder frei ist. Die Bilder darf man aber trotz dessen schon jetzt anschauen!

Update

Nun ist Luft den gestrigen Tag hinreichend Revue passieren zu lassen. Am wichtigsten war wohl das Konzert am gestrigen Abend. Inmitten der mit wunderbaren Fenstern verzierten Marienkirche im 90 Minuten vor Wien liegende Bad Schönau. Zusammen mit dem Sunrise String Orchestra aus Thailand durften wir einen Konzertabend gestalten - jene Gruppe die kurz zuvor den ersten Preis im Bereich Streichorchester erspielt haben (und das vollkommen zurecht!). Die Streicher überzeugten mit technischer Qualität und musikalischer Spielfreude und begeisterten nicht nur die Zuhörer sondern auch uns Saxophonisten. Begeistert und beflügelt von der tollen Musik zeigten auch wir was wir können - und begeisterten wohl auch unsere Thailändischen Partner, so dass wir gerne zuletzt noch einige Gruppenbilder in der großen Gruppe machten.

Frisch gestärkt, nach einem durchaus ausgiebigen Frühstück, ging es bereits um 09.00 zum Proben. Zur Überraschung aller waren alle pünktlich - es hat eben Vorteile, wenn alle direkt neben der Probenraum schlafen. Nach zwei Stunden effektiver Probenarbeit ging es mit dem Bus weiter zur Musikhochschule, wo das Mittagessen im Sitzen im Schatten der akademischen Bäume verzehrt werden konnte. An dieser Stelle das dritte Hoch auf unseren Busfahrer, der die Wiener Straßensituation entspannt meisterte - und das obwohl diese durchaus die Tübinger in Sachen Chaos und Einbahnstraßen übertrifft.

Im Anschluss an dieses Mittagessen unter Bäumen ging es passender Weise weiter zum "hölzernen Saal", dem Saal der Wiener Sängerknaben im Augarten (MuTH). Nicht nur optisch, sondern auch akustisch hat dieser Saal einiges zu bieten und bot für uns, sowie den ungarischen Chor aus Kapuvar, einen idealen Rahmen. Dank leichter Interventionen im Zeitplan hatten wir hierbei auch endlich Zeit entspannt Vorbereitungen zu treffen und sogar einen Soundcheck zu machen (reiner Luxus ist das!).

Nachdem Schlagwerk und Instrumente wieder sicher verstaut waren ging es zum Abendessen in die unendlich wirkenden Katakomben des Rathauskellers. Dieser ist zum Glück in gehweite zum Parlamentsgebäude und dem Burgtheater. So dass man den anschließenden Verdauungsspaziergang leicht mit Sightseeing verbinden konnte (nach dem Essen hat sogar der Brite Lust auf ein paar Faxen, wie wir mit dem seltenen Bild vor dem Parlamentsgebäude festhalten konnten).

Eine weitere Probe im Hotel ("Vorverlegt auf Grund eines nicht unwichtigen Sportereignisses" - der Vorstand) bot noch einmal die Möglichkeiten am Programm für den Wettbewerb zu feilen. Doch war der Sog durchaus spürbar, der auch uns zu den anderen Gruppen in die Lobby des Hotels zog. Es sei angemerkt, dass die deutsche Delegation (Tübingen, Stuttgart, Osnabrück, Heidelberg... und sicher auch einige Österreicher) mehr Sangeskraft aufweisen und die Italiener sich bisher erstaunlich unauffällig verhalten. Mal sehen wie das nach dem Spiel aussieht. Lediglich die Gruppe aus Australien scheint verwirrt und ist nicht wirklich involviert in den emotionalen Schwällen die sich durch die Lobby wälzen. Die zweite Halbzeit steht uns nun noch bevor!

Der 1. Juli ist nicht nur den Tag der Reise nach Wien, sondern auch den Geburtstag einer Saxophonistin. Und ehe noch alle schlaftrunken ans Frühstücksbuffet getaumelt waren wurde schon das erste Geburtstagslied angestimmt. Abgesehen davon verlief die Reise vom Salzburger Land in die Musikmetropole Wien ereignislos - bis auf die Tatsache, dass die gestern aufgerissene Wissenslücke gestopft wurde: Voller Freude (und viel Ironie) tauchten wir in die Kulissen des Filmes "Sound of Music" (eine DVD machts möglich) ein und machten natürlich noch halt beim "Mondsee" (eine Kulisse aus dem Film mit Gruppenbildpotential).

Starkem Stau und logistischen Problemen direkt am Hotel in Wien geschuldet war die Anreise wieder etwas knapp. Nach schnellem Ausladen aller Instrumente und verstauen in einem viel zu kleinen Raum (wurde bereits erwähnt, dass wir allerlei Schlagwerk dabei haben - und nicht die einzigste Gruppe im Hotel sind?) ging es direkt weiter in den Stephansdom wo die "Opening Ceremony" des "Summa Cum Laude" Musikfestivals stattfand. Hierbei wurden alle teilnehmenden Gruppen - 25 an der Zahl - von Mitgliedern vorgestellt (Zitat: "We are proud to repressent our school, our state Oregon and of course the United States of America" - unserer Ansprache hatte weniger Pathos). Inspiriert von den großen Gruppen versuchten wir uns ebenso lautstark zu repräsentieren, was uns aus subjektiver Sicht durchaus gelang. Im Rahmen der Zeremonie durften auch unsere bereits zum Frühstück geölten Stimmen beim gemeinsamen Singen der Festival Hymne ("Musica Nostra Anima" - Musik unserer Seele - aus rund 1000 Kehlen) eingesetzt werden.

Tatsächlich sind wir, neben vielen Chören und Orchestern, als Saxophonisten nicht ganz allein. Das "Sonoro Junior Sax" Ensemble aus Italien tritt mit 55 Saxophonen an - Italien gegen Deutschland sozusagen. Wie das Verhältnis nach dem morgigen Spiel sein wird erfahren wir am 4. Juli beim gemeinsamen Workshop.

Nach der Zeremonie trennten sich die Wege: Die einen gingen zu einem entspannten Abend zurück ins Hotel (wobei der Wettkampf gegen die Italiener schon am Pasta-Buffet begann) und ließen den Abend auf angehme Weiße ausklingen: unterwegs im Viertel mit sommerlichen Open-Air-Kino, Spaziergängen oder entspannten Gesprächen bei endlich milderer Temperatur. Der Dirigent und eine einsame Seele zogen sich dagegen zum "Dirigenten Kick-Off" bei Sekt und Häppchen zurück. Auf dem Besprechungsprogramm: Der Ablauf der Konzerte der nächsten Tage.

"Sound of Music" - Für Menschen die den gleichnamigen Film bereits gesehen haben ist das durchaus ein Begriff. Für den Rest nicht. In den Worten des Ensembles: Der Dirigent hat es gekannt, der Rest nicht. Das hinderte die Musiker natürlich nicht in aller Frühe aufzubrechen um die Originalschauplätze des Films zu betrachten, und noch wichtiger, zu photographieren.

Unser "charmanter" Fremdenführer, ein Salzburger Original, gab sich leider auch keine Mühe die Handlung den Jüngeren näher zu bringen (sehr wohl jedoch seine politischen Meinungen zu verbreiten). Spätestens als jener jedoch behauptete, die Farben der deutschen Flagge seien vom Habsburger Wappen (schwarz und gold) abgeleitet, waren auch die geduldigsten "Historiker"-Seelen ermüdet. Und das obwohl er gern Informationen an diese Gruppe adressierte. Glücklicherweise kam jedoch im richtigen Moment der Gang durch Mozarts Geburtshaus dazwischen, sodass sich die Gemüter abkühlen konnten (zur Erinnerung: Der hat diese leckeren Kugeln erfunden... oder so).

Das erste Konzert, ein Open-Air im Mirabellgarten inmitten der Stadt, fiel leider buchstäblich ins Wasser, sodass man eher ins nächste "Kafäääähhaus" floh um dem Regen zu entkommen. Zum Glück gab es jedoch die Stunden davor und danach genug Sonnenschein. Dadurch blieb Zeit die Stadt auf eigene Faust zu erkunden: Die Festungsanlage zu besteigen, den beeindruckenden Dom von innen zu begutachten und schließlich das erste - und sicher nicht letzte - Wiener Schnitzel mit Topfenknödeln zum Nachtisch zu verspeisen.

Dem straffen Zeitplan geschuldet eilten wir zum Bus, zogen uns in diesem um und kamen "entspannt" mit Pauken und Saxophonen beladen am Veranstaltungsort an: fünf Minuten vor dem geplanten Konzertbeginn. Den kompakten Platzverhältnissen folgend musste leider die instrumentale Vielfalt im Schlagwerk kurzerhand umgeplant und auf ein Minimum reduziert werden (wer braucht schon Pauken? - aber ehrlicherweise hat man es schon vermisst, auch wenn man das einem Trommler nie sagen würde). Mit leichter Verspätung legten wir einen beachtlichen Kaltstart hin und schafften es dennoch, das Publikum von uns zu überzeugen. Die einhellige Meinung der Zuhörer: So würden wir den Wettbewerb.

Die anderen Ensembles im Wettbewerb werden wir dann morgen zum Auftakt des "Summa Cum Laude Festivals" in Wien kennenlernen.