Das Prager Schloss begleitete uns die letzten Tag bereits kafkaesk bei jedem Schritt in Prag. Heute ging es endlich hoch hinauf. Als wir den Torbogen durchschritten und der Blick auf das zu unseren Füßen liegende Prag das Erste mal freigegeben wurde stockte kurz der Atem. Wenige Sekunden später waren schon die ersten Kameras gezückt und der Wettkampf um das Beste Bild wurde ausgetragen. Das kleine Programm umfasste die St. Veits Basilika, die goldene Gasse und natürlich die königlichen Räume der Burg. Leider waren wir auch hier nicht ganz allein, so dass wir uns zusammen mit gefühlt 1000 Touristen und 2500 Selfie-Sticks durch die engen Gassen und Gänge schoben. Das trügte jedoch den Eindruck der farbintensiven Fenster in der Basilika, der großen Räume in der Burg sowie der authentischen Atmosphäre der goldenen Gasse kaum.

Es folgte die Fahrt in die Heimatlanden, zumindest ein bisschen. Tatsächlich zog sich durch Staus um München (Überraschung!) die Fahrt nach München auf 8 Stunden, so dass wir gerädert, aber gut gelaunt, um 19.00 das bayrisch inspirierte Abendessen genießen konnten (Cordon-Bleu und Kaiserschmarrn...). Danach ging es rasch weiter zur Probe, für welche das Kinderklinikum Schwabing freundlicher Weise nicht nur ihre Bibliothek, sondern auch ihren Vorrat an Feierabendbier zur Verfügung stellte. Bevor wir jedoch zum gemütlichen Teil übergehen durften, musste noch zusammen geprobt werden. Ob der Tatsache, dass auch einige Stücke gemeinsam mit der Familie Van Gool gespielt werden sollten ist es dafür auf keinen Fall zu spät.

Nach dem original bayrischen Feierabendbier (das gute Augustiner) klang der Abend nur kurz an der Hotelbar aus - am nächsten Tag war schließlich ein ein Konzert zu begehen.

Nachdem wir gestern Abend bereits in München angekommen waren, ging es heute zum Sightseeing in die Stadt. Mit dem Bus und einer kompetenten Stadtführerin, umkreisten wir den Stadtkern, vorbei an Olympiapark und Schloss Nymphenburg (wir haben uns wieder von Touristen zu Bildideen inspirieren lassen... 3...2...1... Sprung!), und näherten uns nach und nach dem Kern. Die Stadtführerin warnte uns bereits, dass jener Samstag mit zwei Großveranstaltungen aufwarten wird. Auf der einen Seite die "Oper für Alle", sozusagen Public Viewing für Opernfreunde, auf der anderen Seite die "Christopher Street Day" Parade - und um ehrlich zu sein unterschätzen alle von uns was das bedeutet. Die Innenstadt war gesäumt von Menschen, Wägen mit dröhnenden Boxen und noch mehr Menschen auf diesen. Obgleich wir das bunte Treiben mit viel Interesse und Spaß beobachteten, entschieden wir uns doch dazu, das mittägliche Glockenspiel am Marienplatz (untermalt von Magen-massierenden Bässen) zu verpassen und statt dessen auf dem verhältnismäßig leeren Viktualienmarkt (wer schonmal dort war kann nur vermuten, wie eng dann die Menschenmassen im Rest der Stadt sein müssen) sich mit etwas zu Essen einzudecken. Ausgestattet mit "Leberkas", Lachsbrötchen, Trockenfrüchten, Heidelbeeren und allerlei kleinen Naschereien ging es dann für manche, der Dirigent war involviert, in den Englischen Garten (Zitat: "Sag mal Harry, bleibt der wenigstens Teil der EU?" - schweigen auf der anderen Seite). Genug Zeit blieb dabei auf jeden Fall, um die Innenstadt zu Fuss zu erkunden und sich im Garten zu erholen.

Nachdem der Bus auch wieder gefunden war (wurde bereits erwähnt, dass die Straßen voll waren... und gesperrt?), ging es über das Hotel weiter zum Künstlerhaus am Lenbachplatz. Das Ausladen des Buses gestaltete sich ob der Parksituation schwierig (München...). Über das traumhafte Atrium betraten wir den faszinierenden Jugendstil-Festsaal. Geometrische Ornamentik in Gold und Schwarz an der Decke, ausladende Kronleuchter, und ein riesiger Wandteppich direkt hinter der Bühne. Leider blieb nur wenig Zeit die Raumatmosphäre zu genießen: Die Familie van Gool, unsere belgischen Konzertpartner, mit denen wir bereits vor zwei Jahren zusammen musiziert haben, standen längst auf der Bühne. In kürzester Zeit mussten wir so die Verstärkung nebst Mikrophonen, sowie die Schlaginstrumente aufbauen. Glücklicher Weise wurde alles rechtzeitig fertig und das Konzert wurde ein voller Erfolg, der nicht nur die Zuhörer begeisterte, sondern auch vielen an Krebs leidenden Kindern helfen wird. Nochmals vielen Dank an all unsere Unterstützer in München, die dieses Konzert ermöglicht haben.

Nachdem wieder alles verstaut war ging es zum ersten Abschied der Konzertreise, denn der Letzte Abend unter dem Vorzeichen des Summa Cum Laude Festivals ging zu Ende. Und wie man das in München richtig macht ist klar: Im Hofbräuhaus bei "Moas" und "Schweinshaxn". Die Blasmusi hat natürlich auch nicht gefehlt. Nachdem der letzte Schluck ausgetrunken war machten wir uns per Taxi auf den Weg zurück zum Hotel.

Wie hold uns die Götter des Straßenverkehrs bei der morgigen Fahrt nach Heidelberg sein werden (Abfahrt 08.15! Pünktlich!) ist noch nicht ganz klar - zum Konzert um 15.00 werden wir es hoffentlich schaffen.

Neben der weiteren Stadterkundung stand heute ein Konzert in der weltberühmten Smetana Hall auf dem Programm. Es sei dazugesagt, dass der Bus nicht zur Halle vorfahren darf: Also mit dem Bus zur Innenstadt, dann alles umladen in einen Kleintransporter, dann zur Smetana Halle laufen, dann den Transporter ausladen. Über den Künstlereignang ging es direkt hinter die Bühne, wo wir versuchten so leise wie möglich die Instrumente abzuladen und deren Aufbau zu koordinieren. Zugegeben ist das nicht so einfach, wenn man weiss, dass eine nur 5mm dicke Glasscheibe mit umfassender Holztür die Szenen hinter der Bühne von denen auf der Bühne trennten. Zumal zwei weitere Orchester mit selbigem Ziel hinter der Bühne aktiv waren (was auch vom Stellplatz, mit teuren Kontrabässen auf dem Boden liegend, schnell eng wird). Glücklicher Weise war unser Konzertblock direkt nach einer Pause, so dass genug Zeit blieb die Bühne einzurichten und sogar noch kurz auf der Bühne einzuspielen (reiner Luxus!).

Für das Konzert standen beide Carmen Suiten auf dem Programm. Mit viel Spielfreude genossen wir dabei die Akustik des Saales, liesen Carmen durch den Saal tanzen und Stiere durch die Halle rennen. Kurzgesagt: Ein voller Erfolg den auch das Publikum nach 20 Minuten mit Applaus belohnte.

Nachdem wieder alle Instrumente auf gleichem Weg in den Bus gebracht wurden, ging es direkt zurück zum Haupteingang des Bürgerhauses. Zum Glück blieb auf dem Weg noch Zeit sich mit erfrischenden Getränken und sättigenden Bratwürsten und Raclette einzudecken. Dies war im Nachhinein betrachtet sehr vernünftig, denn bei 30° und einer dreistündigen Führung zu Fuß (!!!) durch die engen Gassen des, Zitat, "schon ein bisschen touristisch ausgerichteten Prags", wurden alle Reserven schnell verbrannt. Doch bot die Tour die einmalige Gelegenheit alle Sehenswürdigkeiten Prags zu sehen, geschichtlich einzuordnen und mit allen Sinnen zu genießen (wie im Falle süßer Hefeteigringe über Kohlen gebacken, Ummantelt mit Zucker und gefüllt mit Teils noch süßerem Innenleben - "The Bohemian Speciality").

Gegen 17.00 folgte dann der doch ersehnte Teil im Sitzen: Eine Rundfahrt mit dem Schiff (Jazz Boat) durch Prag, angesetzt für zwei Stunden. Zu unserer kleineren Enttäuschung stellte sich jedoch heraus, dass die "Jazzband" ein Dixieland-Trio war (ohne Schlagzeug?) und das Essen ein kleines Buffet mit noch kleineren Tellern. Da wir es jedoch gewohnt sind das Beste aus allem zu machen, nutzen wir jede Minute um die Aussicht auf Prag zu auf uns wirken zu lassen! Im Tucker-Tempo ging es zweimal unter der Karlsbrücke hindurch, über Schleusen bis in die Ausläufer der Stadt.

Der Tag endete schließlich im Biergarten, denn ein nicht unwichtiges, aber leider nicht zufriedenstellendes Sportereignis, musste angepfiffen werden. Unter gleichgesinnten Deutschen und Franzosen, wurde um den Sieg gefiebert. Die weniger Sportbegeisterten flohen stattdessen zurück ins Hotel, oder genossen die Abendstimmung in Prag. So ging auch der letzte Tag in Prag zu Ende, und der Zug zieht weiter zur nächsten großen Station: München!

Erst um 11.15 ging es weiter von Wien nach Prag (wobei der vergessene Reisepass von Judith, der Reiseleitung, uns noch ein paar entspannte Minuten in Wien eingebracht hat - perfekt für die Last-Minute Grußkarten aus Wien). Ausgeschlafen, bereit und gut ausgerüstet für die fünfstündige Fahrt ging es los - wobei hinreichend Schlaf in der Nacht kein Garant dafür ist, nicht auch im Bus weiter zu schlafen. Durch Staus und Baustellen, sowie einer Reisepasskontrolle, direkt nach der Grenze - willkommen in Tschechien - kamen wir erst gegen 16.00 Uhr im Hotel an. Und dann kam irgendein Dirigent auch noch auf die Idee eine Probe zu machen, die zum Glück von der Hotelleitung (Zimmerbelegung) auf eine Stunde begrenzt wurde (was man als Musiker ungern zugiebt: Es war nicht ganz unwichtig!).

Obgleich leicht gerädert von der langen Busfahrt, suchten noch einige von uns die Innenstadt auf um Prag im nächtlichen Licht zu erkunden. Nach den aufregenden letzten Tagen gab es aber auch viele, die lieber den Komfort und das freie Wlan der Hotellobby genossen und in Ruhe das Fussballspiel geschaut haben.

Auf der positiven Seite des Platzierungsergebnisses ist definitiv festzuhalten, dass der Tag für uns dadurch sehr entspannt wurde. Vor dem ersten bindenden Programmpunkt um 17.30 blieb endlich die Zeit, Wien mit den individuellen Schwerpunkten kennenzulernen. Sei es nun ein Besuch auf dem Naschmarkt, ein Gang durch die Albertina (wo der berühmte Dürer Hase zur Schau gestellt wird), das Besteigen der fast 400 Stiegen des Stephansdom, noch mehr Kunst im Museumsquartier, Hofburg, spanische Reitschule, sonnen auf der Donauinsel und natürlich der Besuch des Praters (für manche mit einer Fahrt in der traditionellen Wiener Prater Geisterbahn... BUUUH). Sogar das Essen musste / durfte selbst organisiert werden (wie wäre es mit Wiener Schitzel?). Für die Kinder der Gruppe ging es bei bestem Wetter in den Zoo, welcher inmitten der traumhaften Gärten des Schlosses Schönbrunns liegt.

Als Musikbegeisterte verschlug es manche von uns auch in das interaktive Museum "Haus der Musik" wo die Saxophonisten beim virtuellen Dirigieren der Wiener Philharmonikern zeigten, dass auch in Ihnen ein kleiner Harry steckt. Obgleich die nicht vorhandene Flexibilität der virtuellen Profis zumindest unseren Dirigenten erzürnt hätte - Zitat: "Manchmal ist es halt doch einfacher gegen Musiker zu Kämpfen, als gegen den Computer.".

Kurz gesagt: Alle kamen Abends zufrieden zum "Wiener Konzert Haus" um Einlass zur großen Konzertgala des Summa Cum Laude Festivals gewährt zu bekommen. Die Gruppen mit "Herausragendem Erfolg" standen auf dem Programm und präsentierten die "von der Jury als herausragend wahrgenommenen" Stücke - wobei uns ehrlich gesagt aus dem präsentiertem Auszug des Programms nicht immer ersichtlich wurde, worauf dieses Prädikat beruht.

Nach fast zwei Stunden mit Chor (darunter ein chinesiches Chor mit deutschem Liedgut, wobei wir nur chinesisch verstanden haben) und Orchestermusik (oft mit ordentlich Forte) folgte noch einmal die Festival-Hymne. Von unseren chinesischen Freunden haben wir schnell gelernt, dass Vokale, im Stile des Wienerischen, verlängert und deutlich lauter gesunden werden müssen (also im Stile von "Musica Nostra AAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHNNNNNima"). Diesen Stil adaptierten wir gerne bereits mit dem zweiten Refrain.

Danach ging es zum Abschlussdiner in den Rathaussaal, wo bei "Schnitzelweckerl" und Orangensaft die Gala ausklang und die Urkunden verteilt wurden. Wir finden unsere fast Kleinste, in Vertretung für unseren Dirigenten Harry D. Bath, hat die Dokumente hervorragend entgegengenommen!

Nun geht es weiter nach Prag - mal sehen welche Abenteuer dort auf uns warten.